Was bewirkt ein TENS-Gerät?

Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) ist eine nicht-invasive Schmerztherapie, die mit schwachen elektrischen Strömen die Nerven durch die Haut stimuliert. Sie wird häufig in der Physiotherapie, Rehabilitation und Schmerzbehandlung bei Erkrankungen wie chronischen Schmerzen, postoperativen Schmerzen und Muskelkrämpfen eingesetzt.

 

Wirkungsmechanismus:

Der Wirkmechanismus der TENS basiert primär auf der Gate-Control-Theorie des Schmerzes und der Freisetzung endogener Opioide:

  • Gate-Control-Theorie des Schmerzes:

Die 1965 von Melzack und Wall vorgeschlagene Theorie besagt, dass die Schmerzwahrnehmung auf Rückenmarksebene moduliert wird. Bei der TENS-Therapie werden durch elektrische Impulse großlumige A-beta-Fasern in der Haut und im darunterliegenden Gewebe stimuliert. Diese Fasern können die Weiterleitung von Schmerzsignalen hemmen, die von kleineren A-delta- und C-Fasern übertragen werden. Vereinfacht gesagt, blockiert die Stimulation der A-beta-Fasern die Schmerzsignale und reduziert so die Schmerzwahrnehmung. Dies lässt sich als ein Wechselspiel zwischen sensorischen Reizen (durch die TENS) und Schmerzreizen veranschaulichen.

  • Freisetzung endogener Opioide:

TENS fördert nachweislich die Freisetzung von Endorphinen und anderen körpereigenen Opioiden im zentralen Nervensystem. Diese natürlichen Schmerzmittel binden an Opioidrezeptoren, lindern so den Schmerz und steigern das Wohlbefinden.

  • Muskelentspannung:

Neben der Schmerzlinderung kann TENS auch zur Muskelentspannung beitragen. Die elektrischen Impulse können Muskelverspannungen und -krämpfe reduzieren, was bei Erkrankungen wie Fibromyalgie und myofaszialem Schmerzsyndrom von Vorteil ist.

 

Arten von TENS

  • Konventionelles TENS:Es sendet hochfrequente (80–100 Hz) Impulse mit geringer Intensität aus. Dieser Modus basiert primär auf der Gate-Control-Theorie und sorgt für sofortige Schmerzlinderung.
  • Akupunkturähnliches TENS (AL-TENS):Es nutzt niederfrequente (1–4 Hz) Stimulation mit höherer Intensität. Dieser Modus zielt darauf ab, die Freisetzung von Endorphinen anzuregen und wird häufig zur länger anhaltenden Schmerzlinderung eingesetzt.
  • TENS-Burst-Modus:Diese Methode kombiniert Elemente der konventionellen und der akupunkturähnlichen TENS und gibt die Impulse in kurzen Stößen ab. Dadurch können Schmerzlinderung und Wohlbefinden gesteigert werden.
  • Kurze intensive TENS-Behandlung:Nutzt hohe Intensität und hohe Frequenz für kurze Zeit, oft zur akuten Schmerzlinderung während Eingriffen.

 

Anwendungen

TENS wird in verschiedenen klinischen Bereichen eingesetzt, darunter:

  • Behandlung chronischer Schmerzen: Erkrankungen wie Arthritis, Rückenschmerzen und neuropathische Schmerzen.
  • Schmerzlinderung nach Operationen: Hilft dabei, die Abhängigkeit von Opioidmedikamenten zu verringern.
  • Schmerzmanagement während der Geburt: Wird in bestimmten Situationen eingesetzt, um Beschwerden während der Geburt zu lindern.
  • Rehabilitation: Unterstützt die Genesung durch Schmerzlinderung und Förderung der Muskelentspannung während der Physiotherapie.

 

Sicherheit und Überlegungen

TENS gilt bei sachgemäßer Anwendung im Allgemeinen als sicher. Es gibt jedoch Kontraindikationen, darunter:

  • Nicht empfohlen wird die Anwendung über Bereichen mit eingeschränkter Sensibilität, offenen Wunden oder bestimmten medizinischen Geräten (z. B. Herzschrittmachern).
  • Bei Personen mit bestimmten Erkrankungen wie Epilepsie oder Herzerkrankungen ist Vorsicht geboten.

 

Abschluss

TENS ist eine vielseitige und wirksame Methode zur Schmerzbehandlung, die elektrische Stimulation nutzt, um die Schmerzwahrnehmung über periphere und zentrale Mechanismen zu verändern. Dank ihrer nicht-invasiven Natur und relativen Sicherheit ist sie ein wertvolles Hilfsmittel sowohl in der Klinik als auch zu Hause für Patienten, die Linderung bei verschiedenen Schmerzzuständen suchen. Wie bei jeder Therapieform können die individuellen Reaktionen variieren. Daher ist es ratsam, sich für einen personalisierten Behandlungsplan an medizinisches Fachpersonal zu wenden.


Veröffentlichungsdatum: 08.02.2008